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2013

24. September 2013

Göttliches Großreinemachen

Die Arche Mord

Jedes religiös zu schädigende Kind wird im Zuge der Indok­trination früher oder später auch die biblische Geschichte vom großen Rohr­bruch und den zweifel­haften Schiffs­bau­künsten des ewigen Rentners Noah zu hören bekommen. Ungeachtet der Tatsache, daß dieses absurde Märchen schon jede gesunde Logik eiskalt über den Haufen fährt, wird insbesondere die zugrunde­liegende Grau­sam­keit Gottes gerne ausgeblendet. Selbst viele Kinder­gärten tragen implizit „Genozid“ in ihrem Namen.

  1. Historische Ursprünge
  2. Biblische Anpassungen
  3. Rechtfertigungsversuche
  4. Beim Wort genommen
  5. Fazit

Historische Ursprünge

Die Flutgeschichte der Bibel ist weder neu noch sonderlich originell. Nach heutigen Maßstäben müßte sie sogar als dreistes Plagiat gelten, denn weite Teile davon finden sich bereits im deutlich älteren Gilga­mesch-Epos und anderen Schriften. Die Entstehung des Mythos führt weit zurück in die Zeit der alten Sumerer und läßt durchaus einen wahren Kern vermuten. Doch von einer welt­weiten Flut, wie die Bibel sie behauptet (möglicherweise auch nur aufgrund eines Über­setzungs­fehlers), sind die historischen Tatsachen weit entfernt.

Legt man die Entstehungs­zeit sowie den Ursprungs­ort in Meso­po­tamien, dem heutigen Irak, zugrunde, dann gibt es tatsächlich geologische Hinweise auf eine verheerende Flut im Zwei­strom­land zu Noahs Zeiten. Läßt man zudem mythische Aus­schmückun­gen und Übertrei­bungen der Erzähler einmal außer acht, so lassen sich durchaus historisch plausible Hintergründe rekon­stru­ieren.

Die Vorstel­lung eines riesigen Holzschiffes gehörte jedoch schon damals ins Reich der Legenden. Ein schwimm­fähiges Schiff mit den in der Bibel angegeben Maßen allein aus Holz zu konstruieren ist ein Ding der Unmög­lichkeit. Gemäß den baby­lonischen Texten ist ein kleineres Handels­schiff bzw. ein geschickt konstruierter Schiffs­verband sehr viel wahr­schein­licher. Der literarische Vorgänger Noahs wäre als Besitzer von Silber und Gold demnach ein ranghoher sume­rischer Kaufmann gewesen. Sein Schiff diente auch nicht der Rettung vor einer Flut, sondern dem Transport damals üblicher Handels­waren wie Getreide, Vieh und Bier.

Alle damaligen großen Handels­zentren wie z.B. die Stadt Ur lagen am Ufer des Euphrats. Teile dieses Flusses waren nur bei Hoch­wasser passierbar, so daß die Transporte zu Wasser stets erst nach der Schnee­schmelze in den arme­nischen Bergen im Juli erfolgen konnten. Wenn sich jedoch zeit­gleich mit dem Schmelz­wasser auch noch ein heftiges Unwetter entlud, konnte der ansonsten fried­liche Euphrat zu einer reißenden Flut anschwellen und weite Landstriche der meso­pota­mischen Tiefebenen über­schwem­men.

Von solch einem seltenen Ereignis berichten auch die baby­lo­nischen Schrifttafeln: Mit knapper Not gelang dem Händler und seinen Begleitern die Flucht mit dem Schiff. Den Fluten ausgeliefert trieben sie bis in die salzigen Wasser des Persischen Golfs, bis sie nach mehreren Tagen schließlich am Ufer strandeten.

Ob es sich damals tatsächlich so zugetragen hat, bleibt unklar. Hinweise auf regionale Flutkatas­trophen sind jedoch eindeutig nachweisbar und viele Inhalte der alten Schriften lassen sich auch historisch plausibel einordnen. Was dann jedoch jahrhun­derte­lange „Stille Post“ sowie insbesondere die Autoren der Bibel daraus machten und zu welchem Zweck, steht auf einem anderen Blatt.

Biblische Anpassungen

Über die Jahrhunderte hinweg wurden diese Erzählungen in unzähligen Versionen weiter­gege­ben, wobei stets auch Erin­ne­rungen und Anschau­ungen des Erzählers Einzug in die Geschichte hielten. Rund 2.000 Jahre später könnten die alten Schriften schließlich jüdischen Schrift­gelehrten in die Hände gefallen sein, welche die Bibel schrieben und die alten Texte für ihre Zwecke umdeu­teten sowie abermals erweiterten. Die historische Authen­tizi­tät trat immer weiter in den Hinter­grund, während die Verbreitung des eigenen Aber­glaubens und der eigenen Moral­vorstel­lungen zur primären Aufgabe wurden: Wer Gott nicht ehrt, der wird bestraft. Und die biblische Erzählung ist hierbei nicht gerade zimperlich.

Legt man biblische Angaben zugrunde, dann läßt sich der Zeitpunkt der Sintflut grob auf etwa 2500 v. Chr. datieren. Zu jener Zeit lebten weltweit geschätzt etwa 20 Millionen Menschen. Von diesen überleb­ten lediglich 8 Menschen, also gerade einmal 0,00004% der damaligen Welt­bevöl­kerung. Hier von einem Genozid zu sprechen, ist noch deutlich untertrieben. Keine Epidemie und kein Kriegs­verbrecher der Neuzeit haben es fertig­gebracht, 100% der Menschen auszurotten – dieser Preis gebührt allein Gott.

In Kinderbibeln und Kinder­gottes­diensten wird dieser Massen­mord gerne verharm­losend (also ganz „kindgerecht“) als lediglich „schlimme Überschwem­mungs­katas­trophe“ umschrieben. Dabei wird geflissent­lich ver­schwie­gen, daß diese weltweite „Überschwem­mung“ von einem einzelnen Wahn­sinni­gen ganz bewußt und in voller Tötungs­absicht herbei­geführt worden war, um eine Handvoll Menschen zu bestrafen. Doch statt von der ihm immer wieder zugeschrieben Allmacht Gebrauch zu machen und gezielte Strafen zu verhängen, setzte dieser unfähige Gott rücksichts­los kurzerhand die gesamte Welt unter Wasser und rottete nahezu alles Leben aus.

Selbst wenn man wohlwollend unterstellen mag, daß in der ursprünglichen Fassung der Bibel nicht die gesamte Erde von der Flut betroffen war, sondern lediglich eine begrenzte Region und die „Globalisierung“ erst durch einen Über­setzungs­fehler bzw. eine sprach­liche Mehr­deutig­keit im Original entstand, bleibt der grausame Aspekt der gnaden­losen und völlig unange­mes­senen Strafe Gottes bestehen. Zudem wird in der heute gängigen und verbreiteten Fassung die Sintflut praktisch ausnahmslos als weltweites Ereignis dargestellt.

Die Arche ist somit in keinster Weise ein Symbol der Hoffnung, zu dem sie gerne verklärt wird, sondern ein Symbol des Genozids und schwerer Verbrechen gegen die Mensch­lichkeit, verübt von einem rach­süch­tigen Psycho­pathen. Da hilft auch ein Regen­bogen nichts mehr.

Rechtfertigungsversuche

Aus religiösen Kreisen werden gerne Vergleiche angestellt, um die Sintflut als angeblich gerechte Strafe Gottes an sündhaft gewordenen Menschen zu verklären. Ein Beispiel (Zitat Bibelbund):

„Wer in der Schule abschreibt, wird bestraft; wer im Fußball eine Tätlichkeit begeht, bekommt die rote Karte gezeigt. Wer zu schnell fährt, muss bezahlen oder sogar den Führer­schein abgeben. Wer schwere Verbrechen begeht, muss sie im Gefängnis abbüßen. Und der Mensch soll gegen seinen Schöpfer sündigen können, ohne dafür bestraft zu werden? Er hat sich gegen seinen Wohltäter aufgelehnt und gemeinsame Sache mit seinem Wider­sacher gemacht. Er ist schuldig und hat die Strafe wirklich verdient.“

Gegen eine gerechte Strafe ist sicherlich nichts einzu­wenden, sofern sie tatsächlich gerecht­fertigt und vor allem angemes­sen ist. Doch nach Gottes Logik der Sippen­haft und seiner Methode der „Rasen­mäher-Bestrafung“ (nicht ein einzelner Halm, sondern alle werden einen Kopf kürzer gemacht) würde die gesamte Schule durchs Abitur rasseln, beide Fuß­ball­mann­schaften würden komplett vom Platz gestellt, die Straßen wären autofrei und neben dem Straftäter wären auch seine gesamte Verwandt­schaft sowie sämtliche Nachbarn der Straße inhaftiert.

Die Gläubigen werden sicherlich auch plausibel erklären können, warum selbst Klein­kinder und Neuge­borene schon Sünder waren und den Tod verdient hatten. Von den unzähligen ermordeten Tieren ganz zu schweigen – wie kann ein Tier vom Glauben abfallen und sich gar gegen Gott „auflehnen“?

Beim Wort genommen

Die bis in den Wahnsinn übersteigerte Absurdität des biblischen Sintflut­märchens läßt sich am besten und einfachsten veran­schau­lichen, indem man es einigen natur­wissen­schaft­lichen Fakten gegen­über­stellt. Manche Gläubige werden jetzt einwenden, man dürfe solche Erzäh­lungen nicht wörtlich nehmen, sondern müsse sie im histo­rischen Kontext interpre­tieren bzw. „symbolisch“ sehen – nein, muß man nicht! Erstens ist dies mehr oder weniger nur eine gern genutzte Ausrede Gläubiger auf uner­wünsch­te Kritik, denn wenn es den Religions­vertretern in den Kram paßt, dann wird plötzlich doch wieder großer Wert auf wörtliche Auslegung der Bibel gelegt. Zum anderen gibt es auch genügend gläubige Funda­mentalis­ten und ähnliche geistig Behinderte wie z.B. Kreatio­nisten, welche die Bibel tatsächlich als „Gottes Wort“ ansehen und sich jeglichen Zweifel am Geschrie­benen verbitten.

Also werden wir uns nicht mit Gott streiten und nehmen die Bibel beim Wort:

  • Sähe man die Flut als regionales Ereignis und nähme die konkreten Angaben der Bibel dazu, so ergäben sich etwa 260 Tiere an Bord – ein lösbares Problem. Aber heutzutage wird die Sintflut generell als welt­umspan­nend angesehen und entsprechend gepredigt, somit müssen auch alle Tier- und Pflanzen­arten in Betracht gezogen werden.

    Eine Studie von 2011 schätzt die Artenzahl auf 8,7 ± 1,3 Millionen, andere Schätzungen gehen von 13-20 Millionen aus. Vor 5.000 Jahren sah es nicht deutlich anders aus. Aber wir wollen Noah und seine Familie nicht über­for­dern und gehen daher mal von 10 Millionen Arten aus, von denen die meisten aber eine lange Flut nicht überlebt und somit hätten an Bord sein müssen.

  • Noah blieben 7 Tage Zeit, um alle nötigen Tierchen und Pflanzen einzusammeln. Dabei stellt sich die Frage, wie z.B. Eisbären, Pinguine oder auch Kängurus und Koalas aufs Schiff kamen – so ein Weg um den halben Planeten dauert selbst mit einem Flugzeug mehr als 10 Stunden.

    Was war eigentlich mit der Rückreise – hat Noah sie nach der Flut alle wieder zu Hause abgesetzt oder sind z.B. die Kängurus mit den Koalas an der Hand als Reise­gruppe nach Australien gelaufen, ohne nasse Füße zu bekommen? Und wurden ihnen kleinere Tiere mit Hilfe von Vulkan­eruptio­nen ballis­tisch hinterher­geschos­sen, wie manche besonders kompetente Kreationisten glauben?

  • Standen die ganzen Aquarien und Terrarien auf einem eigenen Deck, um nicht von umher­tollen­den Elefanten und Nashörnern zertrümmert zu werden? Schließlich mußten auch zahlreiche Reptilien, Insekten und Fische gerettet werden, denn die globale Durch­mischung von Süß- und Salzwasser wäre vielen Tierarten nicht gut bekommen.

  • Danke übrigens an Noah, daß er – penibel wie er war – auch Obstfliegen, Stechmücken, Kopfläuse und Silber­fisch­chen eingesammelt hat. Ohne diese würde der Welt wirklich was fehlen.

  • Was gab es eigentlich zu essen? Hat die Arche jeden Tag bei einem göttlichen „Sail-In“ angelegt oder war genügend Nahrung für ein gesamtes Jahr an Bord? Muß ja wohl, denn sonst hätten sich doch die Pflanzen­fresser über das Grünzeug hergemacht, die Fleisch­fresser hätten derweil die Pflanzen­fresser vernascht und der Rest wäre irgend­wann verhungert.

  • Wer ißt, muß natürlich auch trinken. Das Meer­wasser war vermutlich salzig, also brauchte es große Mengen Frisch­wasser. Der Regen hätte dafür aber bei weitem nicht ausgereicht. Gab es also womöglich ein zweites und drittes Schiff, eine geheime Flotte von Tankern?

  • Hoffentlich gab es keine Probleme mit den Bibern, keinen Streit um die Toiletten und auch keine allzu große Lange­weile unter den Tieren …

  • Jeder Zoo der Welt hat hunderte von Angestell­ten für ein paar tausend Tiere. Wie ein kleines Grüppchen von acht Menschen mehrere Dutzend Millionen Tiere und Pflanzen pflegen und versorgen will, wissen wohl nur sie selbst.

  • Nach gängiger Darstellung hatte die Arche keine Fenster, sondern war eher ein schwim­men­der Sarg. War ein Arzt an Bord, um bei einem Jahr in Dunkel­heit kranke und depressive Tiere behandeln zu können?

  • Einige Kulturen der Welt scheinen die Sintflut verpaßt zu haben, so haben sich z.B. die chinesischen, ägyptischen, indischen und viele andere Dynastien auch während des Jahres der großen Über­schwem­mung und auch danach lückenlos weiter­entwickelt. Genau­genom­men hat sich eigentlich die gesamte Welt ohne Unter­brechung weiter­entwickelt. Das hätte Gott vorher besser kommu­nizieren sollen, um derartige Patzer zu vermeiden. Oder aber er hat hinterher die Ge­schichts­bücher gefälscht.

  • Wurde die Taube verhört, wo sie den Ölzweig geklaut hat? Schließlich kann sie den nicht selbst gefunden haben, denn die Baum­grenze lag für lange Zeit ein paar Kilometer unter dem Meeres­spiegel – dort hätte keine Pflanze die Flut überlebt. Der Planet war nach der Flut praktisch tot.

  • Wo ist eigentlich das ganze Wasser hin verschwunden? Schon das Auftauchen solch gewaltiger Wasser­mengen, um den Meeres­spiegel mehrere Kilometer ansteigen zu lassen, ist rätselhaft. Hat Gott danach kurzzeitig noch ein paar zusätzliche Sonnen ange­knippst, um das Wasser verdunsten zu lassen? Mit nur einer einzigen Sonne hätte die Zeit seit Anbeginn des Universums wohl nicht ausgereicht.

  • Man mag sich kaum vorstellen, was sich nach erfolgreicher Landung auf dem Berg Ararat und dem Verlassen der Arche abgespielt haben muß: Ein Jahr lang mußten die Tiere enthalt­sam leben, nun durften und mußten sie sich vermehren, praktisch „zwangsläufig“ im doppel­ten Sinne. Mangels Alter­nativen haben die direkten Nach­kommen dann fröhlich inzestuös miteinander …

    Und wahrscheinlich hat Gott heimlich auch noch fleißig nach­geschöpft, denn die meisten Tiere hätten bei nur noch zwei Exemplaren gar nicht genügend Nach­kom­men in kurzer Zeit hervor­bringen können, um ihre Art zu erhalten; von den Erb­krank­heiten und Gen­defek­ten der dritten Generation ganz zu schweigen. Wahrschein­lich hätten nur Ratten und anderes Ungeziefer überlebt, wie man es noch heute in jedem Gottes­haus findet.

Ja, das war schon nicht einfach damals für Noah und seine Familie. Aber ganz offen­sichtlich haben sie alle Widrig­keiten und auch die lästigen Natur­gesetze überwinden können, sonst sähe die Welt heute bestimmt anders aus. Und die Bibel hat schließlich immer Recht, ist sie doch Gottes Wort.

Fazit

Unterm Strich ist und bleibt die Geschichte der Arche Noah und der Sintflut ein von vorne bis hinten absurdes Märchen mit einem der grau­sams­ten Massen­morde der Bibel als Ausgangs­punkt. Der „liebe“ Gott übertrifft sich hier in seinem Bestra­fungs­wahn selbst. Die historischen Ursprünge lassen sich noch halbwegs plausibel deuten, doch die aufge­blähte biblische Version ist nur noch ein einziger Wider­spruch und zeugt in jedem Vers von eklatan­tem Unwissen der Autoren. Auch der angeblich allmächtige Gott kommt hier schlecht bei weg, offenbart er doch seine himmel­schrei­ende Inkompetenz beim Bestrafen allein der Menschen, die sich tatsächlich schuldig gemacht haben.

Ein solches Machwerk gehört in keine Predigt und schon gar nicht in Kinder­hände. Ebenso­wenig ist einzusehen, warum der Name „Arche“ als etwas Positives gesehen wird: Aus purer Rachsucht heraus wurde nahezu das gesamte Leben auf dem Planeten ausgelöscht – das hat nichts mit Moral oder gar Hoffnung zu tun. Wie üblich werden dank religiös induzierter selektiver Wahr­nehmung allein die positiven Aspekte betrachtet und die negativen ignoriert bzw. schön­färbe­risch verfälscht.

Aber auch ein Regen­bogen und eine Taube täuschen nicht über das erfolgte Verbrechen hinweg, ebenso­wenig wie ein Strauß Blumen und eine Flasche Sekt an den einzigen Über­leben­den einer Massen­hinrich­tung den Diktator in ein besseres Licht rücken würden.

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